GLEIS18.
Manchmal beginnt das größte Abenteuer mit einem Match.
Es war Sommer 2019.
Zwei Menschen. Zwei völlig unterschiedliche Leben. Über 650 Kilometer Entfernung. Und eine dieser Dating-Apps, bei denen man eigentlich nie so genau weiß, was einen erwartet.
Tinder. Ein Match. Und plötzlich war da jemand.
Jemand, für den sich selbst 650 Kilometer irgendwie nicht mehr besonders weit anfühlten.
Unser erstes Treffen? Natürlich nicht einfach irgendwo. Sondern an einem Bahnsteig in München.
Gleis 18.

Dort standen wir uns zum ersten Mal gegenüber. Zwei Menschen, die sich bis dahin nur aus der Ferne kannten. Und dann passierte etwas, das sich weder planen noch erklären lässt.
Es hat einfach gefunkt.
Was folgte, war alles andere als gewöhnlich. Tequila und Saltos beim Mexikaner gehörten ebenso dazu wie die ziemlich verrückte Entscheidung, gerade einmal drei Wochen später gemeinsam nach Gran Canaria zu fliegen. Mit Schnitzeljagd und First Class, versteht sich.
Andere hätten vielleicht erst einmal einen Kaffee miteinander getrunken.
Wir hatten offenbar andere Pläne. 😂
Aus zwei wurde vier.

Es dauerte nicht lange, bis aus unserem Kennenlernen etwas viel Größeres wurde.
Mit Leon und Winzi waren wir plötzlich zu viert. Eine Patchworkfamilie, die nicht lange darüber nachdachte, ob das alles vielleicht ein bisschen schnell ging.
Wir haben einfach angefangen, gemeinsam zu leben.
Da waren Halloweenkostüme, Fortnite-Kekse, selbst gebackene Torten, die vermutlich mehr Arbeitsstunden verschlangen als so manches Bauprojekt, und Weihnachtsfeste, bei denen man vor lauter Geschenken den Baum kaum noch sehen konnte.
Da waren Adventskalender für die Jungs, die jeden finanziellen Rahmen sprengten. Ein gemeinsam ausgesuchter Weihnachtsbaum. Ein Familienbild, das am Küchentisch entstand.
Und irgendwann standen schon Monate vor dem Umzug die ersten Dinge für unser gemeinsames Zuhause bereit.
Am 1. Juni 2020 wurde aus unseren Plänen ein richtiges Zuhause.
Nicht immer lief alles glatt. Corona machte uns das Leben schwer, Pläne mussten geändert werden, und manchmal war einfach alles anders als gedacht.
Aber wir hatten uns. Und wir hatten unsere ganz eigene Art, das Beste daraus zu machen.
Ein bisschen verrückt war es schon immer.

Wir sind gewandert, geradelt, geklettert, geflogen und manchmal einfach nur herrlich albern gewesen.
Wir haben im Regen gezeltet, während ein kleiner Fluss durchs Zelt lief, auf dem Gasgrill Nudeln gekocht und dabei trotzdem einen Riesenspaß gehabt.
Wir haben mit unserem Elektro-Golf „Edeltraut“ für 600 Kilometer auch mal zwölf Stunden und sechs Ladestopps gebraucht.
Wir haben Geburtstage gefeiert, für die andere vermutlich einen Veranstaltungsplan gebraucht hätten. Weihnachten mit immer neuen Ideen übertroffen. Tischfeuerwerke gezündet, Torten gebacken, den Keller zum Fitnessstudio umgebaut und unsere eigene Sauna einziehen lassen.
Es ging nach Hamburg, Berlin, Amsterdam, Paris, Gran Canaria und an viele andere Orte.
Mal mit Champagner und Fünf-Sterne-Hotel. Mal mit Wanderschuhen, Gegenwind und ordentlich Muskelkater.
Und ganz ehrlich? Die schönsten Erinnerungen passen in keine Hotelkategorie.
Es sind die Momente, in denen wir zusammen gelacht haben. In denen aus einer kleinen Idee etwas völlig Verrücktes wurde. Oder in denen wir einfach nur froh waren, genau dort zu sein, wo wir waren.
Das Leben fährt nicht immer nach Fahrplan.

Natürlich gab es auch Zeiten, in denen das Leben weniger lustig war.
Abschiede, Veränderungen, Corona, berufliche Entscheidungen und schließlich die Nachricht, dass wir unser Zuhause wegen Eigenbedarfs verlassen mussten.
Aber ausgerechnet daraus entstand wieder etwas Neues.
Wir durften unser künftiges Haus mitgestalten, Türen und Fliesen aussuchen, planen, organisieren und träumen.
Am 1. Juni 2024 zogen wir in unser neues Zuhause.
Vier Jahre nach unserem ersten gemeinsamen Umzug.
Mit jeder Menge Infrastruktur, viel Arbeit, ein paar Guinness und diesem wunderbaren Gefühl, wieder angekommen zu sein.
Und natürlich ging der Wahnsinn weiter.
Aus Ideen wurden Projekte. Aus einer Fotobox wurden mehrere Generationen. Aus einem 3D-Drucker wurde Made in Erding. Aus gemeinsamen Unternehmungen entstand die WWUGP. Lissy gründete ihren Uschi Club.
Die Jungs wurden größer, aus Fahrrädern wurden Mopeds, aus Kindergeburtstagen Teenagerpartys und aus unseren Urlaubsplänen immer neue Abenteuer.
Und wir?
Wir machen immer noch jede Menge Unsinn.
Unser Anfang. Noch lange nicht unsere Endstation.

Seit jenem Sommer 2019 ist unglaublich viel passiert.
Wir haben gelacht, gefeiert, gebaut, manchmal geflucht und immer wieder neue Wege gefunden.
Wir haben erlebt, dass Familie nicht einfach nur etwas ist, das man hat.
Familie ist etwas, das man jeden Tag miteinander lebt.
Mit all den kleinen Verrücktheiten, den großen Momenten, den Herausforderungen und den Erinnerungen, die niemand außer uns genauso verstehen wird.
Nicht alles war einfach. Nicht alles lief nach Plan. Und längst nicht jede Geschichte gehört ins Internet.
Aber diese eine möchten wir erzählen.
Weil sie uns daran erinnert, wie viel aus einem einzigen Zufall entstehen kann.
Aus einem Match wurde ein Treffen.
Aus einem Treffen wurde Liebe.
Aus zwei Menschen wurde eine Familie.
Und aus einem Bahnsteig in München wurde der Name für unsere kleine gemeinsame Welt.
GLEIS18.
Unser Anfang. Und noch lange nicht unsere Endstation. ❤️🚉
To be continued … natürlich mit KNALLGAS. 💥